Freitag, 8. Oktober 2010

step by step: Siebdruck

Schon seit langer Zeit will ich Stoffe selbst bedrucken. Zwar eignet sich dazu auch die freezer paper Methode, aber gerade bei Schriftzügen, sind definitiv die Grenzen dieser Methode erreicht. Also habe ich mir ein Super All in one Value Kit von Speedball geleistet. Auf Deutsch: einen fertigen Siebdruckrahmen mit allen nötigen Materialien. Da die Gebrauchsanweisung im Kit nur auf  Englisch enthalten ist und ich doch einiges daran zu bemängeln habe, folgt hier eine step by step Anleitung.


Das Paket enthält: einen fertig bespannten Rahmen in 35cm X 25cm, Textilfarbe in Rot, Schwarz und Blau, Photo Emulsion und Entwickler, Photo Emulsion Entferner, Auffüller und Mal-Emulsion, einen Pinsel und einen Spachtel. Um einen Siebdruck herzustellen, können unterschiedliche Verfahren verwendet werden. Ich möchte hier nicht auf alle detailiert eingehen, das würde den Rahmen sprengen...


Aufgrund der ausgewählten Schriftzüge und dem Aspekt, dass ich viele Drucke benötige, habe ich mich für das Siebdruckverfahren mit Hilfe der Photo Emulsion entschieden. Wie ich feststellen musste, verlangt dieses Verfahren etwas Übung, aber gerade bei detailierten Motiven ist es das einzig Brauchbare. Das Prinzip der Photo Emulsion gleicht dem eines Films. Mit Hilfe einer Lichtquelle wird ein Motiv auf einen Film - in diesem Fall einer lichtempfindlichen Emulsion - projeziert (man erstellt ein Positiv). Beim Druck erscheinen dann die Flächen, die von der Lichtquelle nicht durchdrungen worden sind (man druckt das Negativ). Das mag jetzt alles etwas zu theoretisch klingen, aber ich hoffe die Bilder machen alles verständlich. 

Zusätzlich zu dem Starter Kit benötigt man: eine Pappe, einen schwarzen Stoff und eine Glasscheibe in Rahmengröße, vier kleine Leinwandpinns, Malerkrepp und natürlich ein Motiv. Dieses muss in Schwarz/Weiß auf Folie gedruckt sein.

Erstellen und Auftragen der Photoemulsion: Wichtig: dieser Vorgang sollte in einem abgedunkelten Raum geschehen!!! Um die lichtempfindliche Emulsion herzustellen, benötigt man die Photo Emulsion und den Entwickler (sensitizer). 


Die kleine Flasche Entwickler halbvoll mit kaltem Wasser füllen. Das Fläschchen dann wieder gut verschließen und sehr gut schütteln. Nach ca. 5 Minuten schüttet man den kompletten Inhalt des Entwicklers in die Photo Emulsions Flasche - diese verschließen und alles erneut gut schütteln. Vor dem Zusammenmischen war die Photo Emulsion Hellblau. Nach dem Mischen sollte sie eine schleimig-grüne Farbe haben.


Die Mischung so lang wie möglich verschlossen halten und den Rahmen für den Auftrag vorbereiten. Dazu auf der Rückseite des Rahmens in jede Ecke einen Leinwandpinn befestigen. Diese Pinns werden später als kleine Stelzen dienen, damit der Rahmen nicht in direkten Kontakt mit dem Boden kommt. 


Jetzt ein wenig der gemischten Photo Emulsion auf der Rückseite des Rahmens auf die Bespannung auftragen und mit dem Spachtel gleichmäßig verteilen. 


Den Rahmen umdrehen (jetzt dienen die Pinns als Stelzen) und wiederum Photo Emulsion auf die Vorderseite geben. Mit dem Schieber die Emulsion so lange verteilen, bis eine gleichmäßige Fläche entsteht. Wichtig: Nicht zu viel Emulsion auftragen! Überschüssige Emulsion kann kleine "Seen" bilden. Dann tropft die Emulsion runter und eine gleichmäßige Belichtung ist nicht gegeben! Wenn die Emulsion gleichmäßig verteilt ist, vorsichtig den Deckel auf den Rahmen stellen und über Nacht gut trocknen lassen.

Belichtung: Wenn die Emulsion trocken ist, sollten vor der Belichtung folgendes (in einem abgedunkelten Raum) vorbereitet sein: Legen sie zunächst eine Pappe aus. Diese wird am Ende als Tablett dienen und sollte zwar so groß wie der Rahmen sein, aber trotzdem noch handlich. Auf die Pappe einen schwarzen Stoff legen (verhindert Reflektion). Nun den Rahmen vorsichtig nehmen, die Pinns entfernen und den Rahmen mit der Vorderseite nach unten auf den schwarzen Stoff legen. Das Motiv umgedreht auf die Rückseite des Rahmens positionieren. Zuletzt die Glasplatte auflegen. 


Nun das Ganze vorsichtig an der Pappe hochnehmen und ans Tageslicht bringen. Es ist auch möglich mit künstlichem Licht zu belichten, aber bei mir hat es selbst an einem nebligen Oktobertag draußen gut funktioniert. Ob die Photo Emulsion reagiert und das Ganze belichtet wird, erkennt man daran, dass  sich die Farbe ändert. Die schleimig-grüne Photo Emulsion wird Petrol-Grau. Nach etwa 30 Minuten (bei direkter Sonneneinstrahlung wohl schneller) hatte sich die Farbe meiner Emulsion verändert und die Belichtung war FERTIG. Sobald dies geschehen ist, muss die Glasplatte und das Motiv entfernt werden und der Rahmen zügig ausgewaschen werden. Dazu zunächst einen starken, handwarmen Wasserstrahl (am Besten in Badewanne oder Dusche) über den Rahmen laufen lassen. 


Nach etwa 2 Minuten auf kaltes Wasser wechseln und mit der weichen Seite eines Schwamms alle überschüssigen Emulsionsreste vorsichtig entfernen. Am Ende sollte das Motiv deutlich zu sehen sein. Bevor es ans eigentliche Drucken geht, muss der Rahmen jetzt trocknen.


Drucken: Um zu verhindern, dass überschüssige Textilfarbe in die Ritzen des Rahmens läuft, diese von innen mit Malerkrepp verkleben. 


Den Rahmen auf den Stoff positionieren (da Farbe durch den Stoff sickern kann eine Pappe unterlegen), etwas Farbe auf die Bespannung geben und mit dem Spachtel gleichmäßig über dem Motiv verteilen. Bevor der eigentliche Stoff bedruckt wird, empfehle ich einige Probedrucke auf Stoffresten.



Nachdem die Farbe getrocknet ist, muss sie fixiert werden. Dazu die Dampffunktion des Bügeleisens abstellen und einen längeren Zeitraum über das Motiv bügeln. Jetzt ist der Druck:


Wie man sieht können auch "Fehler" oder "Unregelmäßigkeiten" im Druck durchaus attraktiv sein. Der Rahmen ist natürlich mehrfach verwendbar. Mit dem Photo Emulsions Entferner, kann das gesamte Motiv entfernt und ein Neues aufgetragen werden. Was ich mit den bedruckten Stoffen genäht habe, kann leider erst nach Weihnachten verraten werden...

 

Kommentare:

  1. Wow... das ist ja super interessant und Du hast Dir so viel Arbeit mit dieser Anleitung gemacht! ;0) Vielen Dank dafuer!
    Liebe Gruesse
    Maren

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  2. Hallo Nelly,
    die Idee mit dem Kalender schon zum 01. Nov. anzufangen finde ich super, so hat man dann auch ausreichend Zeit fuer das Nacharbeiten und viele fangen ja schon vor Dezember mit den Vorbereitungen an, also ich wuerde es auch so machen! Ich bin schon ganz gespannt, jeden Tag eine Neuvorstellung mit Anleitung ist ja auch ein Riesenprojekt.... wirklich Hut ab, aber ich bin mir sicher, es wird bestimmt super!!!
    Ganz liebe Gruesse
    Maren
    PS: Eigentich sollte meine eMail-Adresse im Profil hinterlegt sein, aber noch einmal hier zur Sicherheit "marenmaas(at)gmx.de" ;0)

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  3. Hallo Nelly,
    Dieser Post ist ja schon älter... ich bin erst jetzt darüber gestolpert. Als gelernte Siebdruckerin noch ein kleiner Tipp. In vielen kleinen Siebdruckerein kann man (bzw.) Frau einen eigenen (manchmal sogar einen geliehenen/gemieteten Rahmen)
    mit dem eigenen Motiv für den Heimgebrauch beschichten und entwickeln lassen. Wir haben das öfters z.B. für Pfadigruppen machmal auch für Künstler und Bastler gemacht.
    lg natzgä

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